Nervenkitzel
Auch dies hier ist ’n „alter Hut“, die Fotos vom Sprung habt ihr ja schon vor längerem gesehen. Aber die Geschichte drumherum lohnt sich trotzdem zu erzählen:
Mal wieder übers Studi hab ich mich mit einer anderen Deutschen verabredet, die erst kurz zuvor in Chch gelandet war, um endlich den obligatorischen Trip nach Q-Town zu machen, nach Queenstown, dem Mekka der Adrenalin- und Vergnügungsverückten Kiwis. Hier wurde das Bungeespringen erfunden. Die Touristenschwemme hat ja mittlerweile stark nachgelassen, und noch hat der Run auf die zweite Hauptattraktion, die Skipisten, mangels ausreichenden Mengen an Schnee nicht eingesetzt. Genau die richtige Gelegenheit also, um DEN SPRUNG zu wagen.
Samstag morgens brechen wir auf, Richtung Süden auf dem „State Highway 1“ an der Ostküste entlang, und bei der ersten sich bietenden Gelegenheit die Umwege Richtung Westen nutzend. Erste Halte gibt es an den Lakes Wanaka und Pukaki, zwei Süßwasserseen die von den Eiszeiten übriggeblieben sind und wegen der Mineralien im Wasser eine türkise Farbe haben. Drumherum gibt’s ein paar Berge: „magnificent“. Es ist einfach unglaublich: Man denkt, man hats dann jetzt gesehen, fährt um einen Hügel oder über einen Bergrücken und die Landschaft ändert sich komplett: Von kargen, flachen Steppen zu weich geschwungenen, grasbewachsenen Hügeln weiter zu rauen Felsformationen. Mitlerweile begleitet uns ein ständiger Nieselregen, der sich nach und nach zu Schnee wandelt. Denn wieder einmal bekommt man einfach nicht mit, wie man höher und höher an den Bergen entlangklettert. Der erste Nervenkitzel, weniger für mich, mehr für meine Beifahrerin die offenbar schonmal schlechte Erfahrungen gemacht hat, ist dann der Pass, auf dem eine leichte Schneedecke liegengeblieben ist. Der zweite folgt ein wenig später: Es ist bereits dunkel, wir auf einer recht wenig befahrenen Straße und auf dem letzten Stück Richtung Queenstown. Die ganze Fahrt über habe ich die Tankanzeige gut im Auge gehabt und angenommen, es noch bis Queenstown zu schaffen. Aber die zweite Hälfte sinkt sie einfach zu schnell. In Dunkelheit und Regen warten wir am Straßenrand, der Tank noch nicht ganz leer, aber die nächsten Ortschaften recht weit entfernt, ich halte ein paar Wagen an und frage nach Reservekanistern. Niemand hat einen dabei, aber schon die zweite Frau bietet uns sehr hilfsbereit an, für den Fall der Fälle hinter uns her zurück zu fahren, denn im letzten Ort war doch eine Tankstelle, von mir übersehen. Glücklich erreichen wir sie noch. „Good as gold“ winkt die hilfsbereite Dame meine Dankesreden ab. Herrlich!
Etwa eine Stunde später erreichen wir Queenstown, buchen uns in einem Hostel ein und kochen die üblichen Nudeln.
Den Abschluss machen dann ein paar Bierchen im Winnie’s. Eine Ein-Mann-und-eine-Sängerin-Band spielt: Er spielt die nötigen Melodien und Rhytmen mit Mikrofon, Bass und Gitarre in einen Sampler, sie singt dazu. Klingt ziemlich gut, insgesamt. Irgendwann fliegt das Dach von der Hütte, im wahrsten Sinne des Wortes: Stoßlüften funktioniert hier einfach, indem das Dach hydraulisch angehoben wird. Dabei hatte der Kamin grade angefangen zu wirken…
Am nächsten Morgen buche ich über das Hostel den Sprung: 43 Meter von der Kawarau Bridge, dem ersten Bungeesprung überhaupt. Es ist schweinekalt und regnet, deswegen verzichte ich dann doch darauf, wie zuerst geplant, in den Fluss einzutauchen. Die Fotos kosten natürlich nochmal extra. Aber das Erlebnis und die Aussicht sind es wert. Den 120-Meter-Nevis-Sprung hebe ich mir für irgendwann später mal auf. Der hätte zu lange gedauert, und leider muss Miriam am nächsten Morgen schon zurück in Chch sein. Wir hatten beide nicht damit gerechnet, dass die Fahrt so lange dauert und ich habe vergeblich darauf spekuliert, noch nen Tag verlängern zu können. So sehen wir wenig von Queenstwn, denn es geht direkt wieder auf den Rückweg. Aber die Landschaft ist mindestens genauso überragend und abwechselungsreich. Natürlich nehmen wir einen anderen Weg, der führt uns durch Dunedin und erlaubt uns einen Stopp dort. Die Befürchtungen, mehr Schnee könnten für weiteren Nervenkitzel sorgen, bewahrheiten sich nicht. Aber dann mit Reisegeschwindigkeit 100km/h, wieder auf der SH1 Richtung Norden. Plötzlich ist da eine Pfütze, mitten auf der Straße. Also … ne Große! Die Niederschläge der letzten Tage zeigen sich hier. Nur die Abwesenheit eines Straßengrabens verhindert, wegen Aquaplanings in demselben zu landen. Das trägt nicht unbedingt zur Ruhe meiner Beifahrerin bei, aber was hilfts, die Fahrt geht weiter. Andere Autos sind in beide Richtungen unterwegs, also kanns so schlimm nicht sein. Noch ein paar Pfützen sind zu durchqueren, eine davon besonders tief, aber die Karre meistert alles. Schon ziemlich spät kommen wir dann endlich wieder ein Christchurch an.
Seehr cooler Ausflug, aber 1-2 Tage mehr und etwas mehr Ruhe hätten es gerne sein dürfen…













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