Was ich hier eigentlich mache

Ich hatte ja neulich schon ein wenig von diesem ominösen „Projekt“ berichtet, bei dem ich mitmache. Aber wie sieht das nun eigentlich genau aus, und was habe ich davon?

Das Projekt soll im Endeffekt die Jade Corporation dabei unterstützen, ihr Produkt Jade Master Terminal zu verbessern. Jedoch wird wohl nichts von dem, was ich oder die anderen programmieren direkt ein Teil von JMT werden. Vielmehr sollen die firmeneigenen Programmierer die Ideen aufnehmen und dann umsetzen und in JMT einfließen lassen. Unser (damit meine ich alle hier an dem Projekt beteiligten) unmittelbares Ziel ist eine Präsentation, die Ende Juni für etwa 40 Personen gehalten werden soll, denen dabei vermittelt wird, warum Jade eigentlich seit Jahren soviel Geld in die Uni pumpt. Wir haben also einerseits unsere eigentlichen „akademischen“ Ziele, etwas herumzuexperimentieren und am Ende jeweils eine halbwegs kohärente wissenschaftliche Arbeit zu produzieren, die etwas neues zeigt, oder etwas bekanntes anwendet oder überträgt oder nachweist. Daneben müssen wir uns aber auch über die wirtschaftliche Bedeutung einige Gedanken machen, und uns auf Sachen konzentrieren, die unmittelbarer nützlich sind.

Z.B. wird Port Otago, der Kunde von JADE, kaum in nächster Zeit auf ein vollautomatisches Containertransportsystem umsteigen. Den Einsatz eines solchen in einem kleinen Hafen zu untersuchen wäre also total ungünstig. Und darüber hinaus wollen die Leute bei dieser Präsentation auch gerne etwas sehen, was einigermaßen schick wirkt und einfacher zu erfassen ist als seitenlange Textausgaben oder wirre Nachrichtendiagramme. In einer Bachelor-Arbeit kann man sich mit Tabellen, Diagrammen viel Text und ein paar geschönten Bildschirmfotos vielleicht davonstehlen und ein paar hypothetische Szenarien aufstellen, bei der Präsentation soll alles etwas „praxisnäher“ sein. Das bedeutet jetzt keineswegs, das sei per se schlecht, es macht nur die ganze Angelegenheit etwas … interessanter.

Wie schon geschrieben, ist es auch eine Herausforderung, die verschiedenen Teile überhaupt irgendwie zusammenzuführen und da einen einheitlichen Prototypen draus zu stricken. Aber Systemintegration ist ja schließlich eins der Aufgabenfelder eines Systemingenieurs und der Mensch wächst mit seinen Herausforderungen. Ich hatte zu Beginn (was heißt: so etwa bis Anfang Februar) ja ohnehin keine genaue Vorstellung, was das hier so alles gibt und wie meine Bachelorarbeit aussehen könnte. Aber so langsam kristallisiert sich das heraus.

Alles dreht sich um dieses Multiagentensystem, was ich schon für das Projektseminar gebaut habe: ContMAS. Der Stand des Projektseminars ist, von Außen betrachtet, nicht sonderlich spannend: Es gab ein kleines Fensterchen, in das man ein paar Daten eingeben kann, einen Knopf drückt und dann kann man lustige bunte Pfeile in einem Nachrichtensequenzdiagramm erscheinen sehen. Doll. Im Hintergrund passiert hingegen ne ganze Menge. Den Aufbau dieses Systems und seine Grundlagen, nämlich Multiagentensysteme (und besonders JADE) und Ontologien habe ich dann in der Projektseminararbeit niedergelegt. Im Grunde war der ganze Prototyp nicht viel mehr als ein Proof-Of-Concept, dass man einen Containerhafen durch ein Multiagentensystem, was auf JADE basiert und dessen Agenten sich mit Hilfe einer Ontologie verständigen, darstellen kann. In seeeehr beschränktem Umfang.

Ist jetzt nicht so, als ob ich (bzw. mein Prof) der erste gewesen wäre, der darauf gekommen ist. Es gibt einige wissenschaftliche Artikel und sogar ein Buch, bei dem es um das System im Container Terminal Altenwerder in Hamburg geht, dem angeblich „modernsten Hafen der Welt“. Aber hier sind wir wieder bei wissenschaftlichen Produkten: Jede Menge heiße Luft. Die meisten schlagen vor, stellen vor, bieten an, probieren aus; und zwar verhältnismäßig abstrakte Modelle die recht weit davon entfernt sind, direkt überprüfbar zu sein. Da gibt es keine chemische Formel, die man im Labor zusammenbrauen könnte, oder eine mathematische, die man nachrechnen könnte, keinen Quellcode den man ausführen könnte. Nööö, die spannenden, überprüfbaren Ergebnisse behält jeder schön für sich. Könnte ja Geld mit zu verdienen sein. Da gibt es dann Sätze wie „ein System nach der hier vorgestellten Art wird momentan entwickelt und soll in Zukunft in Hafen XYZ eingesetzt werden“. Danke schön. Weiterdenken ist also nicht, man muss wieder von vorne anfangen. Sowas nervt mich! Wie soll man denn da nachweisen, das eine neue Methode besser ist als die bisherigen oder eine andere vorgestellte?

Fortsetzung folgt…

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