Modellbau
Und jetzt die Fortsetzung:
Wie gesagt gibt es jede Menge Literatur über Containerhäfen in allen möglichen Variationen. Eigentlich erstaunlich, könnte man meinen. Was kann schon so schwer daran sein, ein paar „genormte“, also immer gleiche, Metallkisten von einem LKW auf ein Schiff zu stellen? Nichts weiter. Wenn es nur ein paar sind. Bei Schiffen mit 14.000 (Danke an Jo! War mein Fehler. Die momentan größten (MSC Daniela) fassen 13.800 TEU, aber der Hafen von Otago fertigt nur Schiffe ab, die etwa ein zehntel davon sind. Hatte mich bei der Zahl vertan) 1.400 Containern Kapazität (und das sind nur die kleinsten) wird es da schon etwas komplizierter und es ergeben sich jede Menge Probleme und zwar auf allen möglichen Ebenen. Wie sollte der Hafen von vornherein aufgebaut sein, wo die Anlegestellen, wo die Lager und wo die Bahngleise liegen? Wie sollen die Container im Hafen sortiert werden, chaotisch, nach Frachtart, nach Schiff auf dem sie landen sollen, oder vielleicht nach Farbe? Wieviele und welche Kräne und anderen Geräte im Hafen sollen für ein spezielles Schiff eingesetzt werden? Wie sollen die Container auf dem Schiff verstaut werden? Um nur die offensichtlichsten aufzuführen. Weiteres Problem: Alles muss so schnell wie möglich sein und dabei so wenig wie möglich Aufwand (also Bewegungen der Geräte) verursachen UND auch noch flexibel auf Änderungen reagieren können. Da reicht es schon, wenn der Hafenlotse das Schiff wegen Wind andersherum anlegen lässt als geplant und der ganze schöne Stauplan kann per du sein, weil die Reihenfolge der Reihen beim Laden ungünstig ist.
Naja, ist ja nicht weiter schlimm, sowas kann ja ein Computer ausrechnen, der gibt dann automatisch einen neuen Stauplan aus.
Ah.
So.
Tja, ein Computer muss aber erstmal verstehen, worum es eigentlich geht. Dem muss man beibringen, was ein Container ist, und warum man nicht einfach einen unter einem anderen wegnehmen kann, ohne vorher alles darüber umzuschichten. Wie alle Geräte im Hafen gleichzeitig an verschiedenen Stellen arbeiten. Und das nennt man ein Modell. Keins aus Holzklötzen, sondern eins aus Codezeilen. Hat man einmal so ein Modell gebastelt (und zeigt es anderen, damit sie gucken können, ob es einigermaßen realistisch ist), dann kann man damit jede Menge schicke Sachen machen: Vor dem Bau eines Hafens verschiedene mögliche Lageplan-Varianten ausprobieren, automatisch den besten Platz zum Lagern eines bestimmten Containers finden. Schauen, was passiert, wenn 95% aller Stellplätze belegt sind und was man dagegen machen kann, oder eben einen Stauplan automatisch erzeugen und ggf. dynamisch verändern, wenn z.B. ein Container, der ganz unten stehen sollte, nicht rechtzeitig zum Beladen vom Zoll freigegeben wird. Letzten Endes könnte man sogar die Kräne und Fahrzeuge zu einem gewissen Grad automatisch steuern.
Bevor also irgendjemand einen von seinen tollen Plänen, die er sich gemacht hat, um ein bestimmtes Problem (besser) zu lösen, ausprobieren kann, braucht er dafür erstmal ein Modell. Das baut sich dann jeder selber und legt dabei auf unterschiedliche Sachen Wert, austauschen kann man die nicht untereinander. Und hergeben tut das natürlich erst recht niemand, denn jemand anders könnte ja einen Vorteil davon haben!
Und das ist ContMAS, das Produkt meines Projektseminars und in weiterentwickelter Form Gegenstand meiner Bachelorarbeit NICHT. Also, schon ein Modell. Aber ich versuche, es möglichst flexibel zu gestalten, so dass man es für möglichst viele unterschiedliche Zwecke gebrauchen kann. Und so, dass man es gut erweitern kann. Denn mein Modell kann ruhig jeder haben, ich gebe es als OpenSource frei, so wie, meiner Überzeugung nach sämtliche Forschungsergebnisse an Unis freigegeben werden sollten. Ich glaube kaum, dass ich damit die „Welt der kapitalisierten Forschungsausbeuter“ aufrolle und revolutioniere. Ist auch gar nicht mein Ziel. Aber jedenfalls weiß ich dann, dass es ein freies Modell gibt, dass sich nicht scheut, den Vergleich mit irgendeinem anderen anzutreten. Und natürlich fänd ichs toll, wenn irgendjemand das benutzt oder weiterentwickelt, denn das würde zeigen, dass es nicht allzu schlecht ist. Man wird sehen. Vielleicht schon im nächsten Teil?
Filed under: Allgemein, Fiehlohsoh-Fisch-Ess on Mai 19th, 2010
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Hi Hanno,
hört sich alles wie immer spannend und interessant an.
Trotzdem muss ich einfach klugscheißen:
Momentan ist das GRÖSSTE Containerschiff die MSC Daniela-Klasse und trägt 13.800 TEU…
Viel Spaß weiterhin da unten und bis bald
Liebe Grüße
Danni und Jo