Das literarische Solo

KfH: And now for something completely different…

Normalerweise ein passionierter Leser, war ich die letzten Jahre während des Studiums leider nicht mehr so recht dazu gekommen. Um so mehr hab ich mich gefreut, hier festzustellen dass es ziemlich viele urige Second-Hand-Buchläden gibt. Vor einiger Zeit bin ich also mal in einen rein und habe etwas gestöbert. Mitgenommen habe ich dann erstmal nur zwei Bücher: Apollo 13 und Rainbow 6. Ich werde euch jetzt mal ein bisschen mit meinen „Kritiken“ dazu langweilen:

Apollo 13:

Das Buch, zu dem Jahre später der sehr erfolgreiche Film mit Tom Hanks gedreht wurde. Der Film ist erstklassig, spannend, interessant und mitlerweile wohl als Klassiker zu bezeichnen. Wer ihn nicht gesehen hat (was verwundert, da er ja mindestens ein mal pro Jahr im Fernsehn läuft), dem ist das nur zu raten. Ich wusste nicht mal, dass der auf einem Buch beruht, aber dieses ist von Jim Lovell selbst geschrieben worden. Ach so, für diejenigen, die es nicht wissen: Es geht um die amerikanische Raummission Apollo 13, der dritte Flug der auf dem Mond landen sollte (nachdem bei Apollo 11 Neil Armstrong die berühmten Worte vom „Step“ und „Leap“ geprägt hat). Bei Nr. 13 ist dann einiges schiefgelaufen, von dieser Mission stammt der nicht minder bekannte Satz „Houston, we’ve had a problem here“. Bald nach dem Start sind einige Systeme ausgefallen, die Mission zum Mond musste abgebrochen werden und die Astronauten haben nur mit viel Glück, Einfallsreichtum und Ingenieurskunst überleben können. Spannend ist diese Story allemal, ob als Film oder als Buch. Das Buch ist jedoch in vielen Teilen weitaus detaillierter und geht viel mehr auf Hintergründe ein, die aber genauso interessant sind.Kurzum, ich fands gut und empfehle es als Lektüre!

Rainbow 6

Der amerikanische Autor Tom Clancy ist vielleicht dem einen oder anderen ein Begriff. Er schreibt hauptsächlich Militär- und Regierungsthriller und ist damit ziemlich erfolgreich. In den letzten Jahren sind auch eine Menge Computerspiele unter seinem Namen erschienen. Die habe ich aber genausowenig gespielt wie seine Bücher gelesen. Gute Gelegenheit also, dachte ich, und habe mir den fast 900 Seiten starken Wälzer zu Gemüte geführt. Herrjeh, was für ein Machwerk. Wie sich das Ding so verkaufen konnte ist mir wirklich schleierhaft. Es geht los mit einer abstrusen Story: Ein schwerreicher amerikanischer pharma-Industrieller ist zudem noch fanatischer „tree-hugger“ und von dem Gedanken besessen, die Erde zu retten, indem er sie von ihrer größten Plage befreit, nämlich der Menschheit. Nur ein kleiner, elitärer Haufen soll ein neu entwickeltes Super-Virus überleben. Gleichzeitig wird zufällig eine neue internationale Anti-Terror-Einheit aufgestellt. Als ob es davon noch nicht genug gäbe. Unter dem Deckmäntelchen der Internationalität wird also eine weitere amerikanische Super-Truppe in England aufgebaut, die aus unerfindlichen Gründen die volle Kooperation sämtlicher europäischer Staaten inklusive der Schweiz hat und von diesen auch fleißig zu Hilfe gerufen wird, als nach und nach terroristische Geiselnahmen geschehen und die souveränen Staaten damit nicht alleine zurande kommen sondern TEAM America World Police ähh, Verzeihung, Rainbow Six zu Hife rufen müssen. Stichwort Internationalität: Stationiert sind die Herrschaften in England, und es ist sage und schreibe ein Deutscher und ein Israeli dabei, ansonsten nur Amis und Briten. Der Showdown findet dann bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney statt. Bis zuletzt wird nicht mal die Möglichkeit in Betracht gezogen, die Verbrecher NICHT nach Cowboymanier bei der ersten sich bietenden Gelegenheit über den Haufen zu schießen. Soviel zur Story und zur Mentalität. Könnte man ja noch verkraften, wenn das Buch denn wenigstens gut geschrieben wäre. Aber Pustekuchen! Von einem Spannungsbogen kann eigentlich kaum die Rede sein, schon sehr früh weiß der Leser über sämtliche Details des militant-ökologischen plans der Menschheitsvernichtung Bescheid, was Clancy aber nicht daran hindert, ihn immer und immer wieder in epischer Breite vor dem Leser auszubreiten und dabei keinen Zweifel an der Verwerflichkeit und Verrücktheit der Beteiligten aufkommen zu lassen. Ökologische Ansichten werden im Allgemeinen eher ins Lächerliche gezogen. Die wenigen Storytwists kündigen sich etwa so offensichtlich und lange vorher an, wie ein „Witz“ bei 7Tage – 7 Köpfe. Aber da dem Leser ohnehin von Anfang an an allen Schauplätzen die Gedanken sämtlicher Figuren ausgebreitet werden , bleibt für sowas ja auch wenig Raum. Fazit: Langatmiger, amerikanisch-militanter Schinken mit alberner Story und zweifelhaften Ideologien. Lesen nicht nötig. Aber ein Gutes hat die ganze Sache: Endlich hab ich mal ein Buch gefunden, was ich ohne zu zögern oder schlechtes Gewissen per Bookcrossing freilassen kann. Tut mir nur für denjenigen leid, der es dann findet und liest …

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